Donnerstag, 16. August 2012

***Rezi 7#*** "Ein besonderer Junge" - Philippe Grimbert

"Ein besonderer Junge" von Philippe Grimbert




Paris, Anfang der siebziger Jahre. Louis, ein Außenseiter und Träumer, entdeckt an der Universität eine Anzeige: Gesucht wird ein Student für die Betreuung eines besonderen Jungen. In der Normandie, in einer Ferienvilla am Meer, trifft Louis zum ersten Mal auf Iannis und dessen Mutter Helena. Iannis ist außergewöhnlich schön, höchst empfindsam, jedoch völlig verschlossen und spricht nicht. Helena schreibt erotische Geschichten, trinkt gerne Whisky und beginnt Louis bald zu umwerben. Louis, unsicher, verwirrt und doch neugierig, ahnt, dass sich sein Leben nun ändern muss.
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Das Cover ist eher unscheinbar. Sehr blass und reichlich Pastelltöne. Darauf ein Mensch - wahrscheinlich ein Kind - zu sehen und man weiß am Anfang nicht, was für ein Kind das ist.
Im Laufe der Geschichte kristalisiert sich heraus, dass es zwei Personen sein könnten: Louis oder Iannis.
Genau klären kann man dies nicht, aber das wird bestimmt reine Auslegungssache sein.

Auf den ersten Seiten wird einem Louis vorgestellt. Ein "Langzeitstudent" der noch immer keine Ahnung hat, was er im Leben erreichen will. Ich finde ihn sehr sympatisch, weil ich mich mit ihm identifizieren kann. Die Frage, welchen Beruf er ergreifen soll, plagt ihn.
So wird er schließlich, um irgendetwas neben dem Studium zu machen, auf die Anzeige von Iannis Vater Jérôme aufmerksam.
Der Vater ist ein viel beschäftigter Mann und man bekommt ihn im Buch kaum zu Gesicht, aber wenn, dann merkt man, dass ihm seine Arbeit zwar wichtig ist, er aber Iannis sehr liebt.

Louis nimmt den Auftrag an, ohne sich darüber im Klaren zu sein, was ihn erwarten könnte. Ein typischer Student, wie man sich ihn eben vorstellt.

Der Ort an dem Louis den "besonderen Jungen" betreuen soll ist einer, in dem er in seiner Kindheit oft Urlaub gemacht hat. Dort sind in dem letzten Sommer, in dem Louis dort war, schreckliche Ereignisse vorgefallen, die Louis bis heute nicht loslassen, er sie aber versucht zu verdrängen.
Immer wieder, während des Verlaufs der Geschichte, wird Louis oft an Momente aus diesen vergangenen Urlauben erinnert. Wie das aber im Buch dargestellt ist - in kursiv und ohne Zusammenhang zum Rest des Textes - gefiel mir nicht. Das hat den Lesefluss mächtig gestört. Immer wieder kam das vor - Erinnerungen, die überhaupt nichts mit der momentanen Situation zu tun hatten. Das hat verwirrt und ich musste ständig überlegen, worum es geht. Oft wurde dies so verkestelt geschrieben, dass ich es häufiger lesen musste.

Häufig kamen solche Erinnerungsfetzen, wenn Louis mit Iannis zusammen war. Iannis ist wirklich ein besonderes Kind. Vom ersten Auftreten Iannis' an ist eigentlich klar, dass er ein sehr pflegebedürftiges Kind ist, dass Nähe braucht, sie aber nicht von jedem zulassen kann.
Nach und nach baut sich zwischen den beiden eine geheime Freundschaft auf. Das finde ich schön, denn es ist nicht für jeden selbstverständlich so geistesstark zu sein und sich auf so eine "Beziehung" einzulassen.

Iannis' Mutter hat den Jungen ansich allein aufgezogen. Der Vater ständig auf Arbeit und wenn Hilfe, dann nur von Studenten, die nicht lange blieben, weil sie es mit Iannis nicht aushielten. Das machte sie anscheinend einsam und so machte sie Louis eindeutige Angebote. Sie würde es immer und immer wieder versuchen. Irgendwann lies es Louis zu.
Also diese Stellen, hätte ich nicht gebraucht. Auch ohne die vermeindliche sexuelle Spannung zwischen Helena und Louis, wäre die Geschichte vorangekommen, aber vielleicht brauchte Helena auch etwas zu tun, neben dem Erotikbuch geschreiben.

Allgemein kann ich trotzdem sagen, dass mich das Buch sehr berührt hat und ich gefangen war von Grimbert's Worten. Er hat eine wundervolle lebhafte und bildhafte Sprache, dass ich mir sogar den französischen Ort Horville vorstellen konnte, ohne jemals da gewesen zu sein.

Mein Fazit ist, dass ich das Buch sehr gerne weiterempfehlen kann, denn für seine wenigen Seiten, hat es viel Inhalt, der auch nach dem Lesen noch verarbeitet werden kann.

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